Der Praxis-Guide

Prompting für
& mit Claude.

Wie du aus einem klugen Werkzeug einen brillanten Mitarbeiter machst — anschaulich erklärt, Schritt für Schritt.

6Grundprinzipien
4Aufgaben-Bereiche
1Kreislauf, der alles verbindet
Vager Prompt
Beobachte: derselbe Wunsch — zwei sehr unterschiedliche Briefings.
Scroll
Das mentale Modell

Stell dir Claude als neuen Kollegen vor.

Bevor wir über Technik reden, brauchst du das richtige Bild im Kopf. Es macht jeden weiteren Tipp selbsterklärend.

Hochbegabt, aber neu

Claude ist extrem belesen, schnell und gründlich — wie ein Spitzen-Mitarbeiter am ersten Arbeitstag. Das Können ist da. Es fehlt nur eines: dein Kontext.

Merkt sich dich — nicht jedes Detail

Seit 2026 kann sich Claude (wenn aktiviert) deine Vorlieben und Arbeitsweise über Chats hinweg merken. Aber das ist ein grobes Profil, kein wortgenaues Protokoll — den Kontext einer konkreten Aufgabe gibst du weiterhin selbst mit.

Die Kernidee in einem Satz.

Ein guter Prompt ist nichts anderes als ein gutes Briefing — klar, vollständig und mit dem nötigen Hintergrund.

Aufbau

Die Anatomie eines guten Prompts.

Nicht jeder Prompt braucht alle Bausteine — aber je relevanter dein Briefing, desto besser die Antwort. Fahre mit der Maus über die farbigen Stellen.

Du bist ein erfahrener Marketing-Berater. Erstelle eine Marketing-Strategie für unsere neue, umweltfreundliche Handy-Zubehör-Linie. Zielgruppe sind umweltbewusste Millennials und Gen Z. Gliedere die Antwort in: Marktanalyse, Zielgruppe und Marketing-Mix. Nutze Überschriften und Stichpunkte. Begründe bei jedem Punkt kurz deine Empfehlung.

1 · Rolle

Welche Perspektive soll Claude einnehmen?

2 · Aufgabe & Ziel

Was genau soll getan werden — gleich zu Beginn.

3 · Kontext

Hintergrund, der die Antwort treffsicher macht.

4 · Struktur & Format

Wie soll das Ergebnis aussehen?

5 · Feinschliff

Beispiele, Begründungen, Tonfall — die Extra-Schärfe.

Merksatz: lieber ein „Briefing zu viel“ als ein Detail zu wenig. Claude rät bei Lücken — und rät nicht immer in deine Richtung.

Das Fundament

Die 6 Grundprinzipien.

Sechs Hebel, die fast jeden Prompt sofort besser machen. Zu jedem gibt es ein Bild, das hängenbleibt — und einen direkten Vergleich.

01

1 · Klar & spezifisch sein

Wie eine Adresse fürs Taxi. Sag dem Fahrer nicht „fahr irgendwohin Schönes“ — nenne die genaue Adresse.

✕ Vage
Hilf mir mit einer Präsentation.
✓ Präzise
Ich brauche eine 10-Folien-Präsentation fürs Quartals-Meeting: Q2-Zahlen, Topseller, Q3-Ziele. Gib mir eine Gliederung mit Kernpunkten pro Folie.
Der gute Prompt nennt Umfang, Zweck und Themen. Claude muss nichts raten — und rät bei vagen Aufgaben oft daneben.
02

2 · Beispiele geben

Das Referenzfoto beim Friseur. Ein Bild sagt mehr als „mach es schön“. Zeig Claude, wie das Ergebnis aussehen soll.

✕ Vage
Schreib eine professionelle E-Mail.
✓ Präzise
Hier ist eine frühere E-Mail von mir [Beispiel]. Schreib im gleichen Ton und Aufbau eine neue — diesmal zu einer Lieferverzögerung von einem Monat.
Ein Beispiel verankert Ton, Stil und Format. Claude imitiert konkrete Vorlagen weit zuverlässiger als abstrakte Wünsche.
03

3 · Zum Denken anregen

„Zeig deinen Rechenweg.“ Wer laut Schritt für Schritt denkt, macht weniger Fehler. Das gilt auch für Claude.

✕ Vage
Wie steigere ich die Team-Produktivität?
✓ Präzise
Denk Schritt für Schritt: 1) Blocker, 2) Lösungen, 3) Hürden, 4) Erfolg messen. Begründe jeden Schritt kurz und fasse am Ende zusammen.
Bei komplexen Aufgaben führt „Schritt für Schritt“ zu gründlicheren Antworten — Claude springt nicht zum Schluss.
04

4 · Iterativ verfeinern

Wie ein Bildhauer. Das erste Ergebnis ist der Rohblock — der Feinschliff entsteht durch gezieltes Nachbessern.

✕ Vage
Mach es besser.
✓ Präzise
Guter Anfang! Ändere bitte: 1) lockererer Ton, 2) ein konkretes Kundenbeispiel ergänzen, 3) Absatz 2 kürzen, Fokus auf den Nutzen statt die Funktionen.
„Besser“ heißt für Claude etwas anderes als für dich. Konkretes Feedback führt zu gezielten Korrekturen.
05

5 · Claudes Wissen nutzen

Eine gut sortierte Bibliothek. Claude weiß enorm viel — aber die Bibliothek hilft nur, wenn du sagst, was du suchst.

✕ Vage
Was ist Marketing? Wie geht das?
✓ Präzise
Ich entwickle eine Strategie für eine umweltfreundliche Reinigungsmittel-Linie. Gib mir Green-Marketing- Trends: Kernbotschaften, Kanäle, Fallstricke wie Greenwashing.
Gib Claude den Kontext, wofür du die Info brauchst — dann ist die Antwort zielgerichtet statt allgemeines Lehrbuchwissen.
06

6 · Mit Rollen arbeiten

Casting für eine Rolle. Bitte Claude, eine Perspektive einzunehmen — wie ein Schauspieler, der in eine Figur schlüpft.

✕ Vage
Hilf mir, mich auf eine Verhandlung vorzubereiten.
✓ Präzise
Du bist mein Stofflieferant. Ich will 10 % Rabatt. Nenne als Lieferant 3 Einwände + je ein Gegenargument. Wechsle dann die Rolle und berate mich als Einkäufer.
Eine klare Rolle schärft die Perspektive. Claude übernimmt die Nuancen einer Sichtweise — Antworten werden klüger.
Aufgaben-Werkstatt

Tipps für typische Aufgaben.

Die sechs Prinzipien gelten immer. Je nach Aufgabe gibt es aber einen Hebel, der besonders viel bringt.

Content erstellen

Nenne deine Zielgruppe sowie den gewünschten Tonfall. Beides verändert den Text radikal.

Vage Schreib was über Cybersicherheit.
Stark Blog-Gliederung über Cybersicherheit für nicht-technische Kleinunternehmer — locker, mit 5 umsetzbaren Tipps.

Dokumente & Q&A

Sei spezifisch, nenne den Dateinamen und bitte um Quellenangaben im Dokument.

Vage Fass diesen Bericht zusammen.
Stark Fass „Marktreport 2024.pdf“ in 2 Absätzen zum Thema KI zusammen. Beantworte dann diese 3 Fragen — mit Seitenangaben.

Daten analysieren

Gib das gewünschte Ausgabe-Format vor — von der Executive Summary bis zu den Kennzahlen.

Vage Analysiere unsere Verkaufsdaten.
Stark Analysiere „Sales 2024.xlsx“: 1) Kurz-Zusammenfassung, 2) Kennzahlen, 3) drei Trends, 4) drei Empfehlungen.

Brainstorming

Setze klare Parameter: Anzahl der Ideen, Art und gewünschtes Format (z. B. Tabelle).

Vage Gib mir Team-Building-Ideen.
Stark 10 virtuelle Team-Building-Ideen für 20 Personen — je mit Nutzen, sortiert nach Eisbrecher / Kommunikation.
Der Kreislauf

Prompting ist ein Gespräch, kein Befehl.

Der erste Prompt ist selten der letzte. Die wirklich guten Ergebnisse entstehen in dieser Schleife.

Wieder- holen bis es passt 1 2 3
Erstens Prompt schreiben
Zweitens Antwort prüfen
Drittens Konkret nachbessern

Jede Runde verkleinert den Abstand zwischen dem, was du willst, und dem, was Claude liefert. Erwarte nicht das perfekte Ergebnis beim ersten Versuch — steuere es dorthin.

Neu seit 2026

Claude hat jetzt ein Gedächtnis.

Lange galt: Jeder neue Chat beginnt bei null. Das gilt nicht mehr — seit 2026 kann sich Claude über Unterhaltungen hinweg an dich erinnern. Was das bedeutet — und was nicht.

Frühere Chats durchsuchen

Du kannst Claude bitten, alte Unterhaltungen zu durchsuchen („Worüber haben wir letzte Woche zu X gesprochen?“). Claude zeigt das als Suchschritt mit Quellenangabe.

Automatisches Profil

Ist das Gedächtnis aktiv, fasst Claude deine Chats zusammen: Rolle, Vorlieben, Arbeitsweise. Dieses Profil fließt in jede neue Standard-Unterhaltung ein.

Projekte = eigene Räume

Jedes Projekt hat seinen eigenen Gedächtnis-Raum. Projekt- und Normal-Chats vermischen sich nicht. In Projekten kannst du zusätzlich Dateien und Instruktionen hinterlegen.

Inkognito bleibt außen vor

Temporäre Chats fließen nicht ins Gedächtnis ein und tauchen nicht in der Suche auf — für Sensibles oder einen bewussten Neustart. Alles steuerbar in den Einstellungen.

Der wichtigste Punkt: Profil, kein Protokoll.

Damit du das Gedächtnis richtig einschätzt — und weißt, wann du trotzdem Kontext mitgeben musst.

✓ Was das Gedächtnis kann

Es merkt sich das Stabile: dass du z. B. Webentwickler bist, knappe Antworten bevorzugst und überwiegend deutschsprachige Kunden betreust. Das musst du nie wieder erklären.

✕ Was es nicht ist

Kein wortgenaues Mitschreiben. Es weiß nicht mehr, welche genaue Lösung ihr letzten Dienstag beschlossen habt oder wie ein bestimmter Code aussah — solche Details lieferst du weiter selbst.

Das Briefing-Prinzip bleibt.

Das Gedächtnis erspart dir nur das ewige Wiederholen deiner Grund-Vorlieben. Den konkreten Auftrag und seine Details beschreibst du weiterhin so klar wie in Prinzip 1.

Stolpersteine

Fehler vermeiden, Qualität sichern.

Drei Gewohnheiten, die verhindern, dass Claude rät oder sich verrennt.

01

Unsicherheit erlauben

Sag Claude ausdrücklich, dass „ich weiß es nicht“ eine gültige Antwort ist. Das senkt das Risiko erfundener Fakten deutlich.

„Wenn du dir nicht sicher bist, sag es einfach.“
02

Aufgaben zerlegen

Wenn Claude bei einer großen Aufgabe Schritte überspringt: in kleine Häppchen teilen und nacheinander durchgehen.

Großer Brocken  →  viele kleine Schritte
03

Aufgaben-Kontext mitgeben

Claudes Gedächtnis kennt deine Vorlieben — aber nicht die Details deiner konkreten Aufgabe. Den aufgabenspezifischen Hintergrund lieferst du weiterhin selbst mit.

Gedächtnis ≠ Gedankenlesen
Alles zusammen

Ein Prompt, zwei Welten.

Dieselbe Aufgabe — eine Marketing-Strategie. Wechsle zwischen den beiden Versionen und sieh, wie die Prinzipien zusammenspielen.

Hilf mir, eine Marketing-Strategie zu erstellen.
Keine Rolle, kein Produkt, keine Zielgruppe, keine Struktur. Claude muss alles raten — das Ergebnis wird allgemein und unbrauchbar. Du startest sofort in eine lange Korrekturschleife.
› Rolle Als erfahrener Marketing-Berater hilfst du mir, eine Strategie für unsere neue, umweltfreundliche Smartphone-Zubehör-Linie zu entwickeln. › Kontext Zielgruppe: umweltbewusste Millennials und Gen Z. › Struktur — gliedere die Antwort so: 1. Marktanalyse — Trends, 2–3 Wettbewerber, Marktgröße 2. Zielgruppen-Persona — idealer Kunde, seine Probleme 3. Marketing-Mix — Produkt, Preis, Vertrieb, Werbung 4. Content-Strategie — 5 Themen, passende Formate 5. Kennzahlen — 5 Metriken zum Nachverfolgen › Feinschliff Nutze Überschriften und Stichpunkte. Begründe deine Empfehlungen kurz. Nenne am Ende mögliche Risiken samt Gegenmaßnahmen.
Rolle, Kontext, klare Struktur und Feinschliff in einem Briefing — alle sechs Prinzipien greifen ineinander. Claude liefert beim ersten Versuch eine verwertbare, strukturierte Strategie.
Zum Mitnehmen

Dein Prompting-Spickzettel.

Geh diese Liste durch, bevor du auf „Senden“ klickst.

Aufgabe steht zuerstKlar und konkret, gleich im ersten Satz.
Kontext mitgeliefertWofür, für wen, unter welchen Umständen.
Beispiel oder VorlageWenn Ton und Format wichtig sind.
Format vorgegebenListe, Tabelle, Länge, Überschriften.
Rolle vergebenFalls eine Perspektive die Antwort schärft.
Verfeinerung eingeplantErste Antwort = Entwurf, nicht Endprodukt.
Die Kernformel
Klares Briefing + nötiger Kontext + gezielter Feinschliff = brillantes Ergebnis